VR Interview

28.03.2018 – 200 Jahre Raiffeisen

OVB24: Friedrich Wilhelm Raiffeisen ist einer der Gründer der Genossenschaftsidee. Mit seinem Wirken hat er das Leben und Wirtschaften der Menschen spürbar verbessert. Am 30. März 2018 wäre er 200 Jahre alt geworden. Seine Zeit war die der industriellen Revolution. Welche Idee er hatte, und was diese so besonders macht erzählt uns heute Michaela Neumann von der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost im VR Interview.

Michaela Neumann – Servicemitarbeiterin in Berchtesgaden

Michaela Neumann: Während der industriellen Revolution zogen viele Menschen in die Städte, um in Fabriken zu arbeiten. Auch die Bauern auf dem Land arbeiteten hart – arm blieben aber fast alle.

OVB24: Was tat Raiffeisen, um zu helfen?

Michaela Neumann: Da der beste Kampf gegen Armut eine gute Schulbildung ist, errichtete er Schulen. Um den Hunger zu bekämpfen, gab er eigenmächtig Nahrungsmittel gegen Schuldscheine aus – quasi als Kredit. Aber das reichte ihm noch nicht. Raiffeisen wollte dauerhaft helfen. So gründete er den Brotverein. Aus den Ersparnissen vieler Menschen wurde ein Fonds gebildet. Mit diesem Geld wurde Getreide gekauft. Und das viel günstiger, als ein Einzelner es kaufen konnte. Dann haben sie gemeinsam ein Backhaus gebaut und dort Brot gebacken. Die erste Genossenschaft war geboren.

OVB24: Was ist das genau, eine Genossenschaft?

Michaela Neumann: In einer Genossenschaft geht es darum, seine Ziele nicht im Alleingang, sondern gemeinsam zu erreichen. Die Mitglieder treten gemeinsam am Markt auf, zum Beispiel um günstige Absatz- und Beschaffungsbedingungen verhandeln zu können. Außerdem lassen sich in Genossenschaften betriebliche Abläufe effizienter machen.

OVB24: Was ist aus Raiffeisens Idee geworden?

Michaela Neumann: Sie lebt auch heute noch und ist zu einer der modernsten Gesellschaftsformen geworden. Weltweit sind ca. eine Milliarde Menschen genossenschaftlich organisiert. Es gibt sie in allen Wirtschaftsbereichen: in der Agrarwirtschaft, in den Bereichen Konsum, Wohnen und Soziales, Kreditwesen und in der Energiewirtschaft. Zu den letzten beiden gehören wir, die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost als Kreditgenossenschaft und die durch die Bank gegründete VR EnergieGenossenschaft. Gemeinsam tragen wir die tolle Idee von Raiffeisen weiter. Denn, auch das Motto unserer Bank lautet: „Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.“ Das setzen wir in die Werte der heutigen Zeit um.

OVB24: Welche Werte vermittelt eine moderne Genossenschaft?

Michaela Neumann: Es sind auch weiterhin Werte wie Selbstverantwortung, Selbsthilfe und Selbstverwaltung. Wir fördern unsere Mitglieder und sind fest in der Region verwurzelt. Wir wirtschaften nachhaltig und verantwortungsbewusst. Das waren schon damals die Grundprinzipien von Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

OVB24: Das sind sehr beständige Werte.

Michaela Neumann: Genau deshalb wird Raiffeisens 200. Geburtstag auch so groß gefeiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Schirmherrschaft des Raiffeisen-Jahres 2018 übernommen. Er steht unter anderem für Themen wie soziale Gerechtigkeit, Engagement und Mut. Das verbindet ihn mit Raiffeisen, einem der größten Reformer seiner Zeit. Raiffeisens Ziel war es, das Leben der Menschen zu verbessern. Das ist ihm damals gelungen und seine Idee ist bis heute lebendig und gegenwärtig. Das zeigt auch die Aufnahme der Genossenschaftsidee in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit durch die UNESCO.