Dr. Jürgen Gros beim Wirtschaftsbeirat

Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern warnt vor Öko-Diktatur

Bad Reichenhall. Zwölf Uhr mittags in der Nähe des Bahnhofs von Bad Reichenhall: Rund 40 Männer in dunklen Anzügen und eine Handvoll Frauen versammeln sich in der Hauptstelle der Volksbank Raiffeisenbank. Gekommen ist die Wirtschafts- und Finanzelite der Region: Unternehmer und Banker, dazu noch einige Vertreter aus Politik und Verbänden, allen voran Jürgen Gros, der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern. Er ist angereist, um über Krisen, Finanzstabilität und neuen Ungemach aus Brüssel zu erzählen.

Der Genossenschaftsverband vertritt über 1200 bayerische genossenschaftliche Unternehmen, zu denen im Berchtesgadener Land zum Beispiel die Volks- und Raiffeisenbank, die Molkereigenossenschaft in Piding sowie einige Almen gehören. Dieses Jahr begeht der Verband ein doppeltes Jubiläum: sein eigenes 125-jähriges Bestehen sowie den 200. Geburtstag von Gründer Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Das nahm der Wirtschaftsbeirat Bayern zum Anlass, Jürgen Gros nach Reichenhall einzuladen, wie Michael Elsen, der Vorsitzende des Bezirks Berchtesgadener Land/Traunstein des Wirtschaftsbeirats Bayern, erläuterte, bevor er dem Gast aus München das Wort erteilte. Gros berichtete von Plänen der EU-Kommission, mit Zuckerbrot und Peitsche Kapital in die Öko-Wirtschaft zu lenken. Die Beamten in Brüssel wollten über die Finanzmärkte die gesamte Wirtschaft auf Nachhaltigkeit trimmen, so Gros.

Grüne Projekte sollten bei der Kreditvergabe bevorzugt werden, und Unternehmen müssten künftig Rechenschaft über die Nachhaltigkeit des eigenen Wirtschaftens ablegen. Hintergrund seien die hochgesteckten Ziele des Pariser Klimaabkommens bis 2030. Um sie zu erreichen, müssten laut Gros jedes Jahr 180 Milliarden Euro in den Umweltbereich fließen. Die Lage erinnere ihn an den Ausbruch der Bankenkrise 2008 in den USA. Auch dort habe sich die Politik in den Finanzmarkt eingemischt, um ein hehres Ziel zu erreichen: Jeder Amerikaner sollte sich ein Eigenheim über Kredit finanzieren können. Es entstand eine Kreditblase, deren Platzen die ganze Welt erschütterte.

Daraus habe die Politik die richtigen Schlüsse gezogen und seitdem viel für die Stabilität des Finanzsystems getan, sagt Gros. Doch das alles gerate jetzt in Vergessenheit, weil man sich wieder von einer Ideologie leiten lasse statt von den Regeln der Marktwirtschaft. Nun drohe eine neue Blase, diesmal in der Öko-Wirtschaft. Das gefährde in aller Konsequenz nicht nur die Finanzmärkte, sondern sogar die Demokratie: "Die Gefahr, dass wir in einer Ökokratie landen, ist durchaus gegeben", warnt Gros.

Er wolle aber nicht missverstanden werden: Nicht den Ansatz der Nachhaltigkeit kritisierte er, sondern die "Instrumentalisierung dieses eigentlich positiv besetzten Begriffs für ideologische Vorgaben", so Gros. Statt Unternehmer und Anleger zu gängeln und zu Investitionen in grüne Projekte zu zwingen, solle der Staat mehr Respekt für die Rechte des Einzelnen zeigen, schloss Gros seinen Vortrag. Im exklusiven Kreis der Zuhörer traf er damit nur auf Zustimmung. Ein Firmenchef brachte die Stimmung auf den Punkt: "Wir arbeiten ohnehin schon nachhaltig, da muss uns aus Brüssel keiner etwas sagen."

Bojan Krstulovic, Passauer Neue Presse

Auf dem Bild (v. l.): Direktor Albert Pastötter (Vorstandsmitglied VR Bank), Dr. Jürgen Gros (Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern), Dr. Michael Elsen (Vorsitzender des Bezirks Berchtesgadener Land/Traunstein), Stefan Neumann (Kaufmännischer Geschäftsführer Brückner Maschinenbau), Direktor Josef Frauenlob (Vorstandsvorsitzender VR Bank) und Direktor Franz Brecht (stv. Vorstandsvorsitzender VR Bank).