Herbst-Tagung des Wirtschafts-Beirats

Bankenregulierung betrifft nicht nur Banken

Dr. Jürgen Gros

Dr. Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) hat anlässlich der Herbst-Tagung der Bezirksgruppe Traunstein/Berchtesgadener Land des Wirtschaftsbeirats Bayern im VR Saal der Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost vor den negativen Folgen einer unverhältnismäßigen Bankenregulierung gewarnt und in seinem Vortrag aufgezeigt, warum Bankenregulierung nicht nur Banken betrifft, sondern längst alle angeht.

Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Bezirksgruppe, Dr. Michael Elsen, machte GVB-Präsident Jürgen Gros vor Vertretern aus Wirtschaft und Politik deutlich, dass die überbordende Regulierung den bayerischen Mittelstand bremst - und zwar in doppelter Hinsicht.

Hochkarätiges Publikum, u. a. Bezirksrätin Annemarie Funke, Landgerichtspräsident Dr. Rupert Stadler und Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner.

Bankenregulierung bremst den Mittelstand

Der GVB-Präsident befürchtet zum einen dass durch höhere Eigenkapitalanforderungen an Kreditinstitute Darlehen an Firmenkunden verteuert und knapp werden könnten. Zum anderen würden die Banken durch übermäßige Bürokratie belastet. Allein die bei den bayerischen Volksbanken Raiffeisenbanken anfallenden Regulierungskosten bezifferte Dr. Gros aktuell mit 138 Millionen Euro jährlich.

In diesem Zusammenhang kritisierte der Referent besonders die Widersprüchlichkeit in der Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), die auf der einen Seite mit niedrigen Zinsen und viel Geld die Wirtschaft ankurbeln wolle, auf der anderen Seite aber die Vergabe von Krediten, sowohl an Unternehmen wie auch an Privatpersonen, be- und zum Teil sogar verhindere.

Auch die Pläne, ein EU-weites, gemeinsames Einlagensicherungssystem zu schaffen, kritisierte der GVB-Präsident. Das geplante System könnte zu einem gigantischen Transferinstrument werden, in das gerade deutsche Banken Milliarden einzahlen müssten, obwohl es bereits ein bestens funktionierendes deutsches Einlagensicherungssystem gibt. Bei den deutschen Genossenschaftsbanken, so Dr. Gros, habe noch nie ein Kunde eine Einlage verloren. Ein europaweites System käme ausschließlich nicht so soliden Banken zugute.

An die deutsche Politik appellierte der GVB-Präsident, sich dafür einzusetzen, dass die bewährten und gut funktionierenden Strukturen erhalten bleiben und die Volksbanken Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen nicht durch überbordende Regulierungsmaßnahmen, die ja ursprünglich für Großbanken konzipiert waren, in der Erfüllung ihre Aufgaben oder gar in ihrer Existenz gefährdet werden.

Gechenkkorb mit heimischen Produkten

Vorstandsvorsitzender Dir. Josef Frauenlob konnte die Aussagen des GVB-Präsidenten hinsichtlich der EZB-Politik aus Sicht eines Bankvorstands nur bestätigen und bedankte sich bei Dr. Jürgen Gros mit einem Korb voller heimischer Produkte aus einer bekannten Pidinger Genossenschaft.

GVB-Präsident Dr. Jürgen Gros und Vorstandsvorsitzender Dir. Josef Frauenlob.